Horten-Zentrum für praxisorientierte Forschung und Wissenstransfer

Das Horten-Zentrum für praxisorientierte Forschung und Wissenstransfer wurde 1999 gegründet und nahm am 2. Januar 2000 die Arbeit auf. Die Zeile des Zentrums sind medizinisches Wissen zu generieren, das einen möglichst direkten Einfluss auf die Betreuung von Patienten hat und Wissen aus der medizinischen Akademie direkt in die Praxis zu transferieren. Das Horten-Zentrum ist ein Zentrum der Universität Zürich und ist administrativ der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin angegliedert. 
Finanziert wird das Horten-Zentrum von der Helmut Horten Stiftung und erhält für verschiedenen Forschungsprojekte finanzielle Unterstützung vom Schweizerischen Nationalfond, der Europäischen Union und verschiedenen anderen Stiftungen.
In den letzten zehn Jahren hat sich das Horten-Zentrum eine internationale Reputation auf dem Gebiet der klinisch patientenorientierten Forschung erarbeitet. Mitarbeiter des Horten-Zentrums haben wichtige Kooperationen mit nationalen und internationalen Institutionen etabliert.
Die drei zentralen Forschungsthemen in diesen Jahren waren die Entwicklung neuer innovativer Konzepte im Bereich der diagnostischen Forschung, der Aufbau und die Organisation von Patientenkohorten und die Bildung einer Datenbank mit Zusammenfassungen wissenschaftlicher Artikel, die für den Arzt in der Praxis oder am Krankenbett relevant sind.
In Kooperation mit anderen Universitäten hat das Horten-Zentrum ein Ausbildungsprogramm, das den Mitarbeitern die Erlangung eines PhD Titels ermöglicht. Jedes Jahr betreut es zwischen 4 und 8 Medizinstudenten bei der Erstellung der Dissertation. Einige der Mitarbeiter bekamen Anstellungen an anderen Universitäten in leitender Stellung.

Der Fokus der Aktivitäten am Horten-Zentrum

Als Allgemeininternist sollte man pro Tag an die 20 Artikel, die in wissenschaftlichen Zeitungen publiziert wurden, lesen um auf dem neuesten Stand des Wissens zu sein. Es ist einleuchtend, dass dies aus verschiedenen Gründen unmöglich ist, und mit grosser Wahrscheinlichkeit sind nicht alle diese Artikel von grosser Bedeutung für die Behandlung von Patienten. Am Horten-Zentrum wird zumindest ein Teil der klinisch relevanten Artikel identifiziert, kurze und möglichst prägnante Zusammenfassungen verfasst und diese auf dem Internet publiziert. Es ist das Ziel die Arbeit so darzustellen, dass der Leser die entscheidenden Informationen in weniger als zwei Minuten erfassen kann. 

Patientenorientierte Forschung

Eine der zentralen Herausforderungen der Medizin ist korrekte Diagnosen auf möglichst effiziente Weise zu erstellen. Nur wenn eine klare Diagnose gestellt wird kann dem Patienten eine adäquate Therapie empfohlen werden. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass die Ergebnisse der diagnostischen Forschung für die Ärzte nur sehr schwer verständlich sind und für die medizinische Praxis eigentlich fast keine Rolle spielen. 
Das neue Konzept an deren Entwicklung das Horten-Zentrum massgeblich beteiligt ist, geht von der Tatsache aus, dass Experten mit jahrelanger Erfahrung die besseren „Diagnostiker“ sind als Anfänger in dem Gebiet. Es wurde eine Methode entwickelt mit der das Wissen der Experten gesammelt werden kann und den nicht so erfahrenen Ärzten zur Verfügung gestellt werden kann. Die gleiche Methode kann auch für therapeutische Fragestellungen verwendet werden. Das Horten-Zentrum hat mit den Pilotprojekten die theoretischen Grundlagen erarbeitet, die Methoden können und müssen noch verbessert werden, um ein medizinisches Expertensystem zu entwickeln, das den Arzt bei seiner Arbeit in der täglichen Praxis unterstützt.

Ein zweiter Schwerpunkt der patientenorientierten Forschung ist der Aufbau von Kohorten und die Durchführung von Kohortenstudien. Die erste Kohorte, die von Mitarbeitern des Horten-Zentrums gemeinsam mit Lungenfachärzten in der Schweiz und den Niederlanden initiiert wurde, inkludiert Patienten mit chronisch obstuktiver Lungenerkrankung (COPD). Die COPD ist eine der häufigsten chronischen Erkrankungen, die zu Invalidität führt und mit einer hohen Sterblichkeitsrate assoziiert ist. Es ist dabei sehr wichtig zu wissen, welche Patienten ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben, wie zum Beispiel akuten Exazerbationen, um bei diesen Patienten die entsprechenden präventiven Massnahmen zu ergreifen. Eine weitere Fragestellung ist welche dieser Patienten von einer Rehabilitation profitieren und welche nicht.

Eine zweite Kohortenstudie die von Mitarbeitern des Horten-Zentrums in Kooperation mit der Urologischen Klinik und dem Institut für Pathologie entwickelt wurde ist die ProCoc Studie. In diese Kohorte werden Patienten mit einem neu diagnostizierten, auf das Organ begrenzten Prostatakrebs eingeschlossen. Neben den klinischen Daten werden auch Blut, Urin und Prostatagewebe gesammelt und in einer Biobank aufbewahrt. Eines der Ziele dieser Studie, geplant ist eine Ausdehnung auf die gesamte Schweiz, ist Marker zu identifizieren die eine bessere Aussage über die Prognose der Patienten erlauben.  Eine der schwierigen Fragen bei der Therapie von Männern mit einem Prostatakarzinom ist welche Patienten von einer Therapie profitieren und welche nicht. Einige Männer mit dem Karzinom leben 10 oder 20 Jahre ohne dass sie davon etwas spüren, während bei anderen die Krankheit innert kurzer Zeit zu Metastasen und anderen Komplikationen führt. Das Horten-Zentrum hat die Hoffnung, dass mit den Ergebnissen dieser Studie ein wichtiger Beitrag geleistet wird, um konkretere Aussagen über die Prognose einzelner Patienten machen zu können. Das Projekt wird von einem international zusammengesetzten wissenschaftlichen Beirat begleitet.

Ein weiteres grosses Forschungsprojekt, das im Jahre 2010 gestartet wurde beschäftigt sich mit einem vor allem für ältere Menschen zunehmenden Problem, und das ist die Lumbalstenose. Die Lumbalstenose ist eine Einengung des Wirbelkanals und das kann Schmerzen im Rücken und im Gesäss verursachen. Diese Schmerzen können auch in die Beine ausstrahlen. Ausgelöst werden die Beschwerden beim Gehen und auch bei längerem Stehen. Die Einengung des Wirbelkanals kann durch eine Magnetresonanzuntersuchung nachgewiesen oder ausgeschlossen werden. Das Ziele der Studie in die mehr als 600 Patienten eingeschlossen werden, sind die Entwicklung radiologischer Kriterien zur besseren Beschreibung der Einengung,  die Entwicklung neuer „Instrumente“ zur besseren Beschreibung der klinischen Symptome und vor allem eine Methode zu entwickeln mit welcher der Therapieerfolg präziser vorhergesagt werden kann. Patienten mit einem engen Spinalkanal haben nicht selten auch noch andere Erkrankungen, die das Risiko einer Operation an der Wirbelsäule erhöhen.
 
Für alle grösseren Forschungsprojekte hat das Horten-Zentrum einen international zusammengesetzten Beirat, der die Projekte begleitet und damit für eine hohe Qualität der Forschung garantiert.

Aktuelles

Keine News in dieser Ansicht.

Weitere Informationen