Wirtschaftspionier der Nachkriegszeit

Das erste Kaufhaus Horten

Helmut Horten, geboren am 8. Januar 1909 in Bonn/Rhein, der Gründer der Helmut Horten Stiftung, gehört zu jenen Unternehmerpersönlichkeiten, welche die Bundesrepublik Deutschland in der Nachkriegszeit zu wirtschaftlichen Blüte gebracht haben. Der Auf- und Ausbau zum Warenhauskonzern Horten erfolgte in den fünfziger Jahren über den Ausbau eigener und den Erwerb fremder Waren- und Kaufhausunternehmen. Helmut Horten eröffnete, angeregt durch die amerikanischen Konsumgewohnheiten, Ende der fünfziger Jahre mit großem Erfolg den ersten deutschen Lebensmittel-Supermarkt.

Nachdem der Warenhauskonzern mit einem Jahresumsatz von rund einer Milliarde Euro und 25.000 Betriebsangehörigen eine Größe erreicht hatte, die seiner Meinung nach nicht mehr allein von einem Einzelnen abhängen sollte, wandelte er seine Unternehmung 1968 in eine Aktiengesellschaft um. Damit waren die Voraussetzungen für den personenunabhängigen Fortbestand seines Warenhauskonzerns geschaffen.

Unternehmer mit sozialem Engagement

Helmut Horten

Helmut Horten war Unternehmer durch und durch. Dies zeigt sich bereits im jugendlichen Alter, als er im Warenhaus Leonhard Tietz in Düsseldorf eine kaufmännische Lehre absolvierte. Dies geschah nicht gerade zur Freude seines Vaters, dem Senatspräsidenten am Oberlandesgericht Köln, der seinen Sohn lieber in einem akademischen Beruf gesehen hätte. Sein ausgeprägter Wille, sein unternehmerischer Weitblick und sein Sinn für finanzielle Zusammenhänge sind der Schlüssel für seinen späteren wirtschaftlichen Erfolg.

Helmut Horten, großgewachsen, hager und mit markanten Gesichtszügen, war ein sensibler, zurückhaltender und verletzlicher Mensch. Nach außen hin war er auf Höchstleistung, Erfolg und persönliches Engagement bedacht. Innerlich jedoch war er stets auf der Suche nach Werten, die seinem Leben Sinn und Inhalt geben. Daraus erklärt sich auch sein seit jeher großes Interesse an biologischen und medizinischen Fragen zum Schutz der menschlichen Gesundheit.

Zunächst kam dieses Interesse seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zugute, denen Helmut Horten eine medizinische Betreuung in einem für die damalige Zeit ungewöhnlichen Ausmaß zukommen ließ. Schon früh errichtete er eine Pensionskasse zur Verbesserung der Altersvorsorge für die Belegschaft, die er oft mit namhaften Sonderzuwendungen bedachte. Auch sein betriebseigenes Erholungsheim war in der damaligen Zeit keine Selbstverständlichkeit. 

Rückzug ins Privatleben auf dem Höhepunkt des Erfolgs

Auf dem Höhepunkt seines wirtschaftlichen Erfolges zog sich Helmut Horten aus dem wirtschaftlichen Leben zurück. In den Jahren 1969/70 verkaufte er die Aktienmehrheit, Ende 1971 auch noch die restlichen Beteiligung an seinem Warenhauskonzern. Dieser Schritt wurde ihm durch verschiedene Umstände erleichtert.

Zum einem hatte er keine Nachkommen, die sein Werk hätten weiterführen können. Als überzeugter Anhänger des marktwirtschaftlichen Gedankengutes befürchtete er zum andern, dass durch zunehmenden Staatsinterventionismus der unternehmerische Spielraum immer mehr eingeschränkt werden könnte.

Ende 1968 übersiedelte er mit seiner Frau nach Croglio im Kanton Tessin.

Lebensabend im Dienste seiner Stiftungen

Nach seinem Rückzug ins Privatleben widmete sich Helmut Horten vor allem seinen Stiftungen in der Schweiz und in Österreich.

1971 gründete Helmut Horten die "Stiftung Villalta" in Croglio mit einem Anfangskapital von einer Million Schweizer Franken. Nach seinem Tode im Jahr 1987 wurde sie in "Helmut Horten Stiftung" umbenannt. Das Stiftungskapital wurde von ihm im Laufe der Jahre mehrfach, zuletzt durch Legat auf 60 Millionen Schweizer Franken erhöht. Die Stiftung bezweckt "die Förderung des Gesundheitswesens durch Zuwendungen an medizinische Forschungsstätten, Spitäler und sonstige Institutionen der Krankenpflege sowie an Personen, die im medizinischen Sinne bedürftig sind. Unterstützt werden können alle Maßnahmen, die die Gesundheit des Menschen schützen wollen."

Seiner österreichischen Frau zuliebe errichtete er 1972 eine gleich zweckgerichtete Stiftung im kärntnerischen Sekirn, die über ein Kapital von nahezu 6 Millionen Euro verfügt.

Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens nutzte Helmut Horten im Weiteren, um all die Dinge zu tun, für die er früher keine Zeit und Muße fand. Dank seines reichen Erfahrungsschatzes auf wirtschaftlichem Gebiet und seinen freiheitlich und marktwirtschaftlich geprägten politischen Ansichten wurde er gern und häufig als "elder statesman" um Rat gefragt. Mit zunehmenden Alter zog er den Kreis seiner Freunde immer enger und betonte seine asketische Lebensweise. Am Morgen des 30. November 1987 verschied er in seinem Heim in Villalta.

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