News vom Horten Zentrum, 6.7.2002

In den nächsten Jahrzehnten steigt die Anzahl älterer Menschen in unserer Population dramatisch an. Mit zunehmendem Alter steigt auch die Anzahl an Erkrankungen kontinuierlich an. Dieser Umstand wird das medizinische Versorgungssystem in den nächsten Jahrzehnten vor grosse Probleme stellen. In den vergangenen Jahren hat sich in der Medizin eine neue Disziplin, die Geriatrie, entwickelt. Diese Spezialdisziplin beschäftigt sich mit den spezifischen Aspekten der Gesundheit und Krankheit älterer Menschen. Ein wichtiges Ziel der Medizin ist nicht nur die Heilung oder Linderung von Beschwerden, sondern die Prävention von Erkrankungen.

Von Mitarbeitern des Horten Zentrums wurde gemeinsam mit praktizierenden Ärzten in den vergangen Monaten ein Fragebogen entwickelt um Faktoren, welche die Gesundheit und Autonomie älterer Menschen negativ beeinflussen können, zu erfassen. Das Ziel der Studie ist diese Faktoren frühzeitig zu erkennen und eine entsprechende Therapie einzuleiten. Faktoren, die keine präventiven oder therapeutischen Massnahmen zur Folge haben, wurden nicht erfasst. Die Auswertung der Untersuchungen bei 115 Patienten ergab interessante und viel versprechende Resultate. Diese Ergebnisse wurden im Juni 2002 am Geriatriekongress in Wien der wissenschaftlichen Öffentlichkeit vorgestellt. Die Präsentation wurde von der Kongressorganisation mit einem Preis ausgezeichnet.

Bei dreissig Prozent der Untersuchten konnte eine Sehstörung diagnostiziert werden und die Patienten wurden einer fachärztlichen Betreuung zugeführt. Ein Viertel der älteren Menschen stürzte in den vergangenen 6 Monaten. Dies führte bei allen zu einer speziellen Beratung zur Sturzprävention und bei einem kleinen Teil der Patienten zu weiteren diagnostischen und Massnahmen. Weitere Faktoren, die erfasst wurden, waren Alterdepressionen und Einschränkungen der mentalen Leistungsfähigkeit.

Die Akzeptanz dieser Untersuchungen war sowohl bei den Untersuchten als auch den Ärzten sehr hoch und von beiden Gruppen wurde die Untersuchung als hilfreich und informativ beurteilt. In weiteren geplanten Untersuchungen wird der Fragebogen überarbeitet und verbessert und anschliessend in die medizinische Betreuung älterer Menschen integriert. Der innovative Aspekt an diesem Projekt ist die Durchführung der Untersuchung in der Allgemeinpraxis. Die meisten „geriatric assessments“ wurden bisher erst dann durchgeführt, wenn die Gesundheitsschäden eingetreten sind und die Patienten bereits in ein Spital oder in ein Pflegeheim eingewiesen wurden.

Download: Das ausgezeichnete Poster, 19kB, pdf-Datei

 

 
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