News vom Horten Zentrum, Dezember 2006
Training bei der chronischen Raucherlunge (COPD)
Körperliches Training ist heute ein essentieller Bestandteil der Behandlung von Patienten mit einer fortgeschrittenen Form der chronischen Raucherlunge, COPD genannt. Früher glaubte man, dass Training bei diesen Patienten fast nicht durchführbar ist. In einer Studie konnten Forscher der Universität Zürich und der Klinik Barmelweid nun zeigen, dass COPD-Patienten ein Training mit der Intervallmethode gut tolerieren und ihren Gesundheitszustand wesentlich verbessern können. Die Studie wird am 5. Dezember 2006 in den «Annals of Internal Medicine» publiziert (2006, Volume 145:816-825, www.annals.org)
Etwa 400'000 Menschen leiden in der Schweiz unter der chronischen Raucherlunge, der sogenannten COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease). Diese Patienten leiden nicht nur unter Atemnot und chronischem Husten, sondern haben meist eine reduzierte körperliche Leistungsfähigkeit. Dadurch sind sie in ihrer täglichen Aktivität und Lebensqualität stark eingeschränkt und einem erhöhten Risiko für frühzeitige Sterblichkeit und Hospitalisationen ausgesetzt.
Daher sollten COPD-Patienten in ihren Alltag unbedingt ein körperliches Training integrieren. Wegen der Atemnot ist es für diese Patienten aber schwierig, ein Training überhaupt zu absolvieren. Besonders ein Ausdauertraining stellt für diese Patienten oft ein unüberwindbares Hindernis dar. Ein Forschungsteam um Milo Puhan vom Horten Zentrum der Universität Zürich und Martin Frey von der Klinik Barmelweid (Aargau) hat nun bei diesen Patienten eine spezielle Form des Ausdauertrainings, das Intervalltraining, untersucht. Während des Intervalltrainings trainierten die Patienten auf Fahrradergometern täglich während 25 Minuten abwechslungsweise für 20 Sekunden auf sehr hoher Intensität und 40 Sekunden auf niedriger Intensität, während der sie sich jeweils erholen konnten. In einer randomisierten Studie konnten die Forscher zeigen, dass mit diesem Training die Symptome und die Leistungsfähigkeit ebenso gut verbessert werden können wie mit dem von den Guidelines empfohlenen Standardtraining, dem sogenannten kontinuierlichen Training, bei dem es wegen Atemnot zu häufigen Trainingsabbrüchen kommt.
Besonders effizienter Trainingsreiz?
Obwohl die Patienten mit dem Intervalltraining pro Trainingslektion bedeutend weniger Arbeit leisteten als mit dem Standardtraining, war der Effekt ebenso gross. Wie ist dies möglich? Milo Puhan meint: «Die mit 20 Sekunden kurzen, aber sehr hohen Belastungen scheinen einen effizienten Trainingsreiz für die Muskeln zu sein. Diese hohen Belastungen erreicht man mit dem kontinuierlichen Training nicht, weil die Patienten durch die Atemnot zu stark behindert sind».
Diese Studie eröffnet neue Perspektiven in der nicht-medikamentösen Behandlung der COPD. Entgegen früher weit verbreiteten Meinungen können COPD-Patienten ein Ausdauertraining durchführen, wenn eine tolerierbare und effektive Form wie das Intervalltraining gewählt wird. Durch dieses Training verbessern die Patienten ihre Symptome und Leistungsfähigkeit und dadurch ihre meist stark eingeschränkte Lebensqualität.
Kontakt
PD Dr. med. Milo Puhan, PhD
Horten Zentrum, Universität Zürich
Tel. +41 44 255 8709
eMail: milo.puhan@usz.ch
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